Brundibár

Kinderoper von Hans Krása

Partizipatives Jugend- und Kooperationsprojekt vom Landesverband Jeunesses Musicales MV, dem Goethe-Gymnasium Schwerin und dem Mecklenburgischen Staatstheater

 

Mit: Jugendsinfonieorchester Schwerin, Kinderchor 2 mit Solisten udn TAGGS am Goethe-Gymnasium Schwerin

 

Musikalische Leitung: Stefan Kelber

Einstudierung Chor: Carola Nicklich

Szenisches Arrangement: Anne Holz und Nele Tippelmann

Die Handlung:

 

Die Geschwister Aninka und Pepicek haben Sorgen: Ihr Vater ist tot und ihre Mutter ist krank. Frische Milch würde ihr helfen, sagt der Arzt. So gehen die Geschwister auf den Markt, um Milch zu holen. Doch die Kinder haben kein Geld und ohne Geld gibt ihnen der Milchmann nichts. Da sehen Aninka und Pepicek wie der Leierkastenmann Brundibár mit seiner Musik die Erwachsenen in seinen Bann zieht. Sie singen und tanzen und werfen ihm viele Münzen zu. Da die Kinder erkennen, dass man mit Musik auch Geld verdienen kann, beschließen sie, es auf diese Weise zu versuchen. Sie singen ein Lied, aber niemand bemerkt sie, denn ihre Stimmen sind zu schwach, um gegen den Leierkasten anzukommen – außerdem vertreibt der böse Brundibár sie, da er keine Konkurrenz duldet. Als die Nacht hereinbricht, trösten ein Hund, eine Katze und ein Spatz die traurigen Kinder. Sie versprechen ihnen zu helfen und gemeinsam kommen sie zu der Erkenntnis: Wenn viele Kinder gegen Brundibár antreten, können sie ihn besiegen. Am nächsten Tag rufen die Tiere die Kinder aus der Nachbarschaft zur Hilfe. Sie verbünden sich gegen Brundibár, der vergebens versucht, dem Singen der Kinder ein Ende zu bereiten. Schließlich wenden sich die Erwachsenen den Kindern zu und sie zeigen sich großzügig, so dass Aninka und Pepicek genug Geld verdienen, um die benötigte Milch zu kaufen. Aber der böse Leierkastenmann versucht das Geld zu stehlen. Dies gelingt ihm jedoch nicht, weil alle Kinder und die Tiere die Verfolgung aufnehmen und ihn endgültig aus der Stadt jagen.

 

Brundibár und Schwerin:

 

1996 ermöglichte eine Kooperation des Konservatoriums Schwerin mit dem Mecklenburgischen Staatstheater 85 Schüler*-, Lehrer*- und Musiker*innen eine Reise nach Israel. Zu den dortigen Aufführungen der Kinderoper kamen viele deutschstämmige Überlebende des Holocaust. 1997 wurde Brundibár denn in Schwerin aufgeführt. Bis heute prägt dieses Projekt die Arbeit der Holocaust-Erinnerung. Viele Zeitzeugen haben uns in Schwerin besucht. Nur wenige von Ihnen stehen heute noch als Gesprächspartner zur Verfügung. 2016 gab es im Rahmen des Festivals Verfemte Musik ein gemeinsames Wiedersehen mit den Beteiligten der Aufführung von 1996. Diese Begegnung inspirierte uns, Brundibár 2018 erneut auf die Große Bühne zu bringen. Zur Premiere besucht uns Zvi Cohen, der als Kind bei den Aufführungen in Theresienstadt mitgewirkt hat.

 

Historischer Hintergrund:

 

Die Kinderoper Brundibár, 1938 von Hans Krása komponiert, wurde 1941 das erste Mal im jüdischen Kinderheim in Prag aufgeführt. Nach Krásas Deportation 1942 ins Ghetto Theresienstadt schrieb er die Partitur nach einem Klavierauszug nach, da er die Partitur nicht hatte mitnehmen können. Hier wurde die Oper 55 Mal aufgeführt und gab den teilnehmenden Kindern ein Stück Normalität und Freude zurück. Eva Herrmannová und Anna Hannusová-Flachová waren unter diesen Kindern. Eva wirkte sogar in allen 55 Aufführungen mit. Die Rollen mussten immer wieder neu besetzt werden, da viele der Darsteller in Vernichtungslager deportiert wurden.

Der Nazi-Propagandafilm, Theresienstadt – Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet, der lange Zeit unter dem zynischen Titel „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ kursierte, verwendet einen Ausschnitt aus der Oper, um zweifelnden Leuten vorzutäuschen, wie normal und glücklich die Deportierten lebten. Hans Krása und fast alle Ausführenden wurden kurz darauf in Auschwitz ermordet.

Die Aufarbeitung der vergessenen Kinderoper begann Ende der 1970er Jahre, als die Benediktinerschwester Veronika Grüters auf der Suche nach der Geschichte ihrer Familie zufällig auf den Stoff der Oper stieß. Sie rekonstruierte eine Fassung von Brundibár in tschechischer und hebräischer Sprache und konnte so 1985 die erste Aufführung in Deutschland verwirklichen. Die Übersetzung der Oper ins Deutsche erfolgte 1992.

 

 

Die Aufführung der von Schüler*innen des Goethe-Gymnasiums Shwerin für unsere Aufführung 2018 erstellten Fassung der Sprechtexte erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Musikverlages Boosey & Hawkes Bote & Bock GmbH, Berlin

 

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